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Spielhäuser und Wildholz - NATUR zum BEGREIFEN

Im Zuge unserer Qualitätsentwicklung beschäftigen wir uns intensiv mit der Gestaltung von Räumen. Die leitenden Fragen sind immer:

  • Welche Materialien stellen wir Kindern für ihre Bildungswege zur Verfügung?
  • Wie gestalten wir Räume für Kinder so, dass sie zur Veränderung einladen, spannende Ein- und Ausblicke bieten, den ganzen Körper in Bewegung bringen, Privatsphäre bieten, soziale Kommunikation anregen, Spielen lassen?
  • Wie schaffen wir flexible übergänge zwischen Drinnen und Draußen?
  • Welche Ansprüche haben wir an Kunst und ästhetik im und am Raum - Licht, Farben, Akustik, Mobiliar?
  • Wo ist Platz für die Dokumentation dessen, was in einem Raum geschieht? Welche Methoden wählen wir dafür?

Wir haben interessante Vorbilder gefunden und uns inspirieren lassen: Wir haben die Krippe in der Tornquiststrasse in Hamburg besucht, die mit dem "Hamburger Modell" ein beeindruckendes Raumkonzept geschaffen hat; wir sind nach Reggio Emilia gereist und haben die Geschichte der Reggio Pädagogik, Projektarbeit, Dokumentation und Präsentation, den pädagogischen Wert von Räumen studiert und bekamen Einblicke in Kindertagesstätten; wir setzen uns mit der Freinet-Pädagogik und der Arbeit mit dem offenen Konzept auseinander, d.h. mit Lernwerkstätten, Forscherräumen und Ateliers.

Öffentliche Räume und ihre Gestaltung prägen zutiefst unseren mitmenschlichen Umgang. Sie offenbaren Macht und Ohnmacht, schränken unsere Phantasie ein oder laden ein zu kreativem Gestalten - sie prägen und festigen unsere Haltung.

Wenn der Raum uns dienen soll, müssen wir uns überlegen, was darin stattfinden soll und warum wir dies denken. Diese Gedanken sind der erste Schritt für eine pädagogische Konzeption einer Kindertagesstätte. Wovon lassen wir uns als PädagogInnen leiten? Wie sehen wir Kinder? Was muten wir ihnen zu? Wie ermöglichen wir Chancengleichheit? Welche Konzepte für Partizipation gibt es? Welche Freiräume zum Forschen, Arbeiten, Lernen und Leben bieten wir?

Wir können Kinder beteiligen und uns so intensiv wie möglich in sie hineinversetzen, also die Perspektive wechseln - was für Erwachsene sehr schwer ist.

Die Gestaltung von Räumen ist also eine komplexe Aufgabe und Herausforderung und besitzt im Zuge unseres Bildungsauftrages einen zentralen Stellenwert.

In drei Kindertagestätten des Kinderhaus e.V. haben wir mit Erwin Neumann, Tischlermeister und Mitinhaber der HOLZWERKSTATT in Holzerode (Gemeinde Ebergötzen), Projekte von Spielhäusern realisieren können, die individuell für die jeweiligen Bedürfnisse geplant, entwickelt und gebaut wurden. Allen gemeinsam ist der Bau mit WILDHÖLZERN.

Wir können sagen, dass die Kinder in den Kindertagesstätten ihre BAUMHÄUSER sehr gut angenommen haben, sie bespielen, sich darin bewegen und sich anregen lassen sich zu verstecken, zu verkriechen, darin zu schlafen, hoch- und runter zu klettern, unterschiedliche Höhen zu überwinden, kleine und große Ein- und Ausblicke zu genießen, verschiedene Hölzer zu beschnuppern, zu betasten, zu streicheln, zu riechen.

Auch die Erwachsenen - Eltern und MitarbeiterInnen - sind begeistert und angenehm überrascht von der wohltuenden und ruhigen Wirkung des Holzes in Innenräumen und empfinden die Baumhäuser als ästhetisch gelungenes Gestaltungselement.

Es gibt eine Grundidee, Maße und Möglichkeiten des Raumes, Wünsche an das Bauwerk, die das Alter der Kinder berücksichtigen; daraus entwickelt Erwin Neumann konkrete Pläne und Modelle, die sich jedoch beim Bau immer noch mal verändern und verschieben lassen. Der eigentliche Bau im Raum ist aufregend, es ist für uns interessant zu erleben, wie sich das Gesicht des Raumes - und damit sein Charakter - verwandelt.

© Kinderhaus e.V. 2009