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Reiseberichte Swaziland April 2014

Renate - Unser Besuch in Swaziland Ostern 2014

tl_files/bilder/swaziland-2014a/IMG_4540.JPGDieses Jahr war unsere Reise nach Südafrika und Swaziland anders konzipiert als bisher. Wir waren mit Kindern im Alter von 3 – 12 Jahren unterwegs, 6 Kinder und 6 Erwachsene, die auf Grund unterschied-lichster Aktionen für Swaziland im Hort der Lohbergschule sehr darin interessiert waren, alles mal live zu erleben. Neben unserem Urlaub am Indischen Ozean, Aufenthalten in verschiedenen Gameparks und auf einer Farm, waren wir 4 Tage in Swaziland. Dort haben wir wie immer in Häusern des Mlilwane – Gameparks gewohnt, etwa drei Kilometer von der eSitjeni Pre-School entfernt. Wir wurden schon auf der Straße von Zodwa, unserer Koordinatorin erwartet: „Üblicherweise kommt Renate immer zwischen 13:30 und 14:00, jetzt ist es schon 16:00, und ich habe mir Sorgen gemacht!“ Die ersten Verabredungen wurden tl_files/bilder/swaziland-2014a/IMG_4519.JPGgetroffen, denn es war klar, dass wir die Pre–School streichen wollten. Von meinem letzten Besuch im Herbst bis jetzt wurde der Raum für die Krippenkinder erweitert und einbruchsicher gemacht und sollte nun farblich den Restgebäuden angeglichen werden.

So machte sich dann am nächsten Tag Michael mit Tabsile, eine Erzieherin, auf nach Matsapha, um dort Farben, Pinsel, Rollen, Teppiche und weiteres Zubehör für die Küche einzukaufen. In der Pre-School wurden uns Lieder und Tänze dargeboten, und Antje führte ihrerseits mit unseren Kindern einen Tanz mit Gesang vor. Wir gingen die Nähstube, brachten Geschenke und nahmen die genähten Tischdecken zum Verkauf in Göttingen mit. Wir trafen Nkosikathi, die Dorfchefin, die uns zeigte, wie sie seit dem frühen Morgen wie jeden Tag für die Kinder kocht.

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Schließlich war für die Pre-School-Kinder Essenszeit, und wir halfen, das Essen zu verteilen. Zum Nachtisch gab es noch eine Süßigkeit von uns. Nach dem Mittagessen machte Elisabeth Fotos mit einer Sofortbildkamera, so dass jedes Kind ein Bild von sich mit einem Freund mit nach Hause nehmen konnte. Draußen spielten dann alle Kinder zusammen mit den mitgebrachten Luftballons, und um 12:00 machten sich die Pre–School–Kinder auf den Nachhauseweg.

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Für den nächsten Vormittag war die Streichaktion geplant. Michael hatte mit Hilfe von Tabsile alles bekommen, so dass es losgehen konnte. Leider konnte ich mich am Streichen nicht beteiligen, denn ich lag mit Fieber im Bett. Es war sehr heiß, so dass es wirklich eine anstrengende Angelegenheit war. Mit der Hilfe unserer Kinder jedoch war alles bis zum frühen Nachmittag geschafft.

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So waren also unsere vier Tage in eSitjeni wieder mal im Fluge vorbei. Für mich ist es immer ein Vergnügen, interessierten Leuten zu zeigen, was wir mit unseren Mitteln alles bewegen können. Und dann zu erleben, wie engagiert, voller Freude, Harmonie und Großzügigkeit sich die Großen und Kleinen in das Geschehen mit einbringen, ist ein tolles Gefühl. Für niemanden war es ein Muss, sich zu beteiligen, aber alle wollten es: “Für mich ist es eine Ehre, mitmachen zu dürfen!“, so die Aussage von Elisabeth!!! Ich freue mich schon auf die nächste Reise im Sommer, ebenfalls eine Gruppe von interessierten Menschen, dieses Mal aber ohne Kinder.

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"Die Kleinen" "Die Großen"

 

Familie Zeisberg, (bestehend aus Julius (8), Philipp (6), Moritz (3), Michael und Elisabeth (2x43)

Für Michael war klar - sobald unser Jüngster Safari-tauglich ist, wollen wir nach Afrika. Ohne diese einmalige Gelegenheit, sich einer perfekt geplanten Reise für Kinder und Erwachsene anzuschliessen, und das noch dazu in Gesellschaft zwei weiterer netter Familien, hätten wir so eine Reise wohl erst ein paar Jahre später in Angriff genommen. Für mich und die Kinder ist es der erste Besuch in Afrika, für Michael ist es die dritte Afrikareise.

Bei unserer Ankunft in Swaziland haben wir bereits 6 Tage Urlaub in Südafrika hinter uns- in denen wir schon Gelegenheit hatten, im Indischen Ozean zu baden, Hippos, Krokodile, Affen, Zebras und Antilopen zu bestaunen, aber auch uns etwas daran zu gewöhnen, als Weisse unter mehrheitlich Schwarzen unterwegs zu sein. Bisher haben wir den Eindruck gewonnen, dass die Menschen sich dort zuallererst nach Hautfarbe eingruppieren, und dass sich Weiße und Schwarze zumindest kritisch gegenüberstehen.

Wir freuen uns auf die 4 Tage in Swaziland, weil wir neugierig sind, das, was wir von Renate im Hort gehört haben, selbst kennenzulernen und natürlich, weil wir die Preschool streichen möchten! Weil wir noch Elefanten in Südafrika suchten (vergeblich- die sollten wir erst später sehen) kommen wir lange nach unseren Mitreisenden erst bei Einbruch der Dunkelheit in Swaziland im „Mlilwane Gamepark“ an und bemerken gar nicht, dass „unser“ Kindergarten und Schule von eSitjeni direkt an der Schotterpiste liegt, auf der wir nach wenigen Kilometern den Gamepark erreichen. Renate wird uns später erzählen, dass die Kinder von eSitjeni die Welt des Gameparks, obwohl nur wenige Kilometer entfernt- bis auf eine einmalige Gelegenheit, als Renate die Kinder im letzten Jahr dort zu einem Mittagessen einlud, selbst nicht kennenlernen.

Renate hat alles perfekt geplant, am nächsten Tag soll mit Zodwa der Ablauf der nächsten Tage besprochen werden - auch das geplante Streichen der Preschool soll organisiert wreden. Leider liegt Renate am nächsten Tag jedoch mit Fieber krank im Bett, so dass wir improvisieren: Horst, Antje und Reinhard besprechen sich mit Zodwa; Michael und ich kümmern uns inzwischen im Gamepark Camp um alle Kinder.

Bei der Besprechung wird deutlich, dass wir zwar den Anbau der Preschool streichen sollen, dass aber noch keine Farbe, Pinsel o.ä. dafür da ist. Michael soll am nächsten Tag zusammen mit Tabsile alles besorgen. Wir anderen dürfen dafür Zeit mit den Kindern der Preschool verbringen - die Kinder singen und tanzen für uns. Unsere Kinder werden freudestrahlend aufgenommen - für sie wie für uns Erwachsene gibt es viele Eindrücke. Alles im Grunde genau so, wie Renate es im Hort erzählt hatte, nur dass ich es jetzt mit eigenen Augen sehe:
Hier nur ein paar:

  • Die Krippe besteht aus einem kahlen grauen Raum, mit einem Gitter als Tür. Eine Decke liegt in der Mitte, darauf einige Spielsachen. Es ist gerade nachts und morgens jetzt sehr kalt, aber Matratzen oder Decken oder eine Heizung bzw. Strom gibt es nicht.
  • tl_files/bilder/swaziland-2014a/DSC_2130.JPGDas Mittagessen besteht täglich aus Reis mit Bohnen, wenn möglich wird Fisch aus einer Dose beigemischt. Die Küche der Preschool wurde ebenfalls mit Mitteln des Swaziland-Projekts des Kinderhaus  gebaut und eingerichtet. Die Schul- und Waisenkinder werden der Schule nebenan versorgt. Am Sonntag gibt es (auch an der Schule) keine Essensausgabe, Kinder ohne häusliche Versorgung (z.B. Waisenkinder) bekommen deswegen an Sonntagen häufig nichts zu essen. Durch die hohe Prävalenz an AIDS (40% der Bevölkerung ist HIV-positiv, die höchste Rate der Welt) gibt es sehr viele Waisenkinder. Eine Liste gibt Aufschluss über die akuten Zahlen:
  • Eines der Kinder schläft auf dem Betonboden ein.
  • Der Müll, darunter auch viel Plastik, wird in ein ausgehobenes Loch hinter dem Haus geworfen, wenn es voll ist wird zugeschüttet und ein neues ausgehoben.
  • Ein Plastikeimer, gefüllt mit Regenwasser und zwei Henkelbechern, dient als Trinkquelle für die Kinder, die sich reihum daraus bedienen. Ich erfahre, dass die Regenwassersammelanlage, die bereits durch das Engagement Renates mit dem Kinderhaus angeschafft wurde, eine grosse Verbesserung ist, da zuvor das Wasser direkt aus dem Fluss geholt werden musste, wobei die Strömung dabei in der Vergangenheit  immer wieder Kleinkinder beim Wasserholen fortgerissen hatte.
  • Die Kinder werden von den Erzieherinnen angehalten, vor dem Essen die Hände zu waschen, dazu stellen sich alle in einer Reihe an und tauchen der Reihe nach die Hände in eine Plastikschüssel an, die mit Wasser und Seife gefüllt ist.

Michael hat in der Zwischenzeit beim Einkauf mit Tapsile auch Eindrücke mitgenommen. Tapsile erzählt, dass ihre Eltern eine Rente in Höhe von 600 Rand (ca. 50 Euro) alle 3 Monate bekommen und damit nicht zurechtkommen, so dass sie versucht die Eltern zu unterstützen. Die Farbe für den Anbau kostete 160 Euro, der Teppich, der für die Kinderkrippe angeschafft wird 80 Euro - beides wäre in Deutschland eher billiger gewesen

Am nächsten Tag rücken wir nach kräftigem Frühstück (ausser Renate, die immer noch krank ist) zum Streichen an. Vielleicht ist es nur ein Gefühl, aber wir werden heute von den Erzieherinnen etwas skeptisch begrüßt. Offenbar gab es auch ein Missverständnis - wir hatten nur den Anbau von aussen zum Anstrich eingeplant, die Erzieherinnen hatten aber gehofft, wir würden die Krippe auch noch von innen streichen - mal sehen, was wir schaffen! Trotz der Hitze sind wir ein wirklich gutes Team, auch die Kinder packen kräftig mit an. So kommen wir gut voran und wir streichen nicht nur den Anbau, sondern machen gleich den Rest des Kindergartens auch mit frisch. Horst, Michael und Julius schaffen sogar noch, die Krippe von innen zu grundieren, so dass ein Helfer vor Ort die Krippe innen tags darauf mit der restlichen Farbe noch gelb anstreicht.

tl_files/bilder/swaziland-2014a/DSC_2241.JPGDie Skepsis der Erzieherinnen ist einem anerkennenden „Wow“ gewichen, als sie das Endergebnis bestaunen. Auch die Kinder von eSitjeni sind sichtlich stolz, auf ihren schönen Kindergarten. Und unsere auf ihr Werk.
In einem Einkaufszentrum in der Nähe (wir sind überrascht, dass es eher wie ein mall in den USA aussieht) kaufen wir noch Decken und Kissen für die „neue“ Krippe, welche wir am nächsten Tag vor unserer Abreise vorbeibringen wollen. An diesem Tag gehen wir zufrieden und nicht ohne Stolz auf die getane Arbeit ins Bett.

Wir freuen uns schon auf die Bilder, wenn Teppich, Decken und Kissen im der neu gestrichenen Krippe liegen. Bei unserem entgültigen Abschied haben wir das Gefühl, schon viel weniger fremd zu sein.

Familie Steinborn

Müde von der langen Fahrt von Ithala nach Swaziland biegen wir endlich von der Teerstraße ab in den Weg, der durch eSitjenie nach Mlilwane führt. Langsam, fast im Schritttempo, fahren wir über die rote, staubige Erde und versuchen, zumindest den größten Schlaglöchern auszuweichen. Alles ist so fremd und faszinierend, und es scheint uns, als ob wir in eine andere Welt eintauchen.

Die Kinder in ihren bordeauxroten Schuluniformen, in kleinen Gruppen unterwegs nach Hause, winken uns zu, kommen an unser Auto gelaufen und fragen „How are you“? Am Straßenrand steht dann auch Zodwa, die schon auf uns wartet, uns herzlich begrüßt und es sich nicht nehmen lässt, ein Foto von unseren Kindern zu machen. Es ist ein gutes Gefühl, dass Faszination und Foto-Shooting gegenseitig sind, nach dieser Begegnung ist das Gefühl von Fremdsein schon weniger geworden.

Am nächsten Morgen geht es zu dritt – leider ohne Renate, die krank ist - nach eSitjenie, um die mitgebrachte Kleidung und die Geschenke abzugeben. Wir lernen die drei Erzieherinnen kennen, und sie zeigen uns Pre-School- und Krippenraum. „This all has Renate done for us“ ist der Satz, der immer wieder geäußert wird. Wände und Boden der neu errichteten Krippe sind noch kahl und kalt, es werden dringend „carpets“ und „electricity“ benötigt, da es nun auf den Winter zugeht, auch muss der Anbau noch gestrichen werden.

tl_files/bilder/swaziland-2014a/DSC04028.JPGAlle zusammen besuchen wir am folgenden Tag die Kinder der Pre-School und der Krippe. Die Kinder singen uns viele Lieder auf Englisch und Siswati vor. Besonders begeistert sind wir vom traditionellen Swazi – Tanz , bei dem die Kinder die Beine (wie unsere rheinischen Tanzmariechen) hoch in die Luft werfen, während eine Erzieherin den Rhythmus auf der Trommel schlägt. Danach dürfen unsere Kinder helfen, das Essen (Reis mit Bohnen) auszuteilen – doch bevor es ans Essen geht, waschen sich die Kinder die Hände in einer Schüssel, die ins Gras gestellt wird, und stehen dafür diszipliniert in einer Schlange an.

tl_files/bilder/swaziland-2014a/DSC04078.JPGtl_files/bilder/swaziland-2014a/DSC04072.JPGNach dem Essen spielen die Kinder draußen mit den mitgebrachten Luftballons. Unsere Kinder fühlen sich zunächst fremd und „ein bisschen wie Außenseiter“. Aber dies geht schnell vorbei, die ersten Luftballons werden von Hand zu Hand geworfen, und dann ist das Eis gebrochen, und die Kinder von eSitjenie sind wild darauf, die Hände unserer Kinder zu ergreifen und mit ihnen herumzulaufen. Fehlende sprachliche Verständigung wird durch Lächeln wettgemacht, wie unsere Kinder erzählen.

tl_files/bilder/swaziland-2014a/DSC_0871.jpgBesonders freuen wir uns darüber unser Patenkind und das unserer Schwester, beide schon Schulkinder, kennenzulernen.

Am letzten Tag in Swaziland machen wir uns an die Arbeit und streichen den Anbau von außen und innen, von außen in den typischen Farben vieler Schulen in Swaziland und Südafrika – unten bordeauxrot und oben gelb. Das Streichen macht uns und vor allem unseren Kinder viel Spaß, schnell sind alle Pinsel und Rollen in Beschlag genommen, und wir legen voller Energie los. Die Erzieherinnen sind begeistert davon, wie tüchtig unsere Kinder mithelfen – auch die nach deutscher Manier mit Kreppband korrekt gezogene Linie zur Abgrenzung der beiden Farbtöne findet Bewunderung!

Die Begegnung mit den Kindern in eSitjenie hat unsere Familie sehr beindruckt, und wir denken oft daran zurück. Durch den Gecko- Hort waren wir auf das, was uns dort erwartete, gut vorbereitet… dennoch war es aufrüttelnd mit eigenen Augen zu sehen, mit wie wenig Spielzeug, Ausstattung, Nahrungsmitteln und ganz alltäglichen Gebrauchs-gegenständen die Menschen dort auskommen müssen. Niemand aus unserer Familie kann sich vorstellen wie es ist, jeden Tag nur Reis mit Bohnen oder Maisbrei essen zu können und statt in einer gemütlichen Kuschelecke auf dem nackten Boden einzunicken.

 

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