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Reisebericht Swaziland 2010

Unser Besuch in eSitjeni in diesem Januar war von großer Hitze und von regen Aktivitäten geprägt. Sehnsüchtig erwartet von Zodwa und den beiden Erzieherinnen der pre – school machten wir uns gleich auf den Weg, unsere mitgebrachten 1000 € umzutauschen. Das ist immer eine größere Aktion mit unzähligen Unterschriften und Identifikationen und recht zeitaufwändig. Mit einem Beutel voll Emangaleni (so heißt die swaziländische Währung) konnten wir die schon bestellten Kindergartenmöbel in einem benachbarten Ort bezahlen, die auch gleich verladen und transportiert wurden. Große Freude bei den beiden Erzieherinnen, denn ich hatte auch noch genügend Geld, um für die beiden einen abschließbaren Schreibtisch, zwei Schreibtischstühle und einen verschließbaren Schrank zu tl_files/bilder/swaziland-2010/006.jpgkaufen. Sie konnten es nicht fassen: „Wir sind reich!“ Allerdings ergab sich daraus eine nächste Lücke, da der Raum der pre – school nicht burglar proofed (einbruchssicher! Merkwürdiges Wort) war. Immer noch Geld in der Tüte kauften wir im Industriegebiet das entsprechende Zubehör. Der Elternvertreter hat einen Cousin, der den Einbau vornehmen will. Bis dahin wurden die Möbel im von Voices for Africa gebauten Nähzentrum untergestellt. Inzwischen ist alles fertig und eingerichtet, und nach Zodwas Information sind Kinder und Erwachsene glücklich und sehr zufrieden.

Meine diesjährigen Mitbringsel waren ein voller Erfolg. Ich hatte drei faltbare Wasserkanister à 15l gekauft, dazu 30 Zahnbürsten, Becher und Zahnpasta gespendet von einem wohlwollenden Zahnarzt in meiner Gruppe. Wasserfeste Stifte zum Beschriften der Bürsten und Becher gewährleisten, dass jedes Kind seine eigene Zahnbürste erkennt und durch das Vorhandensein von Wasser auch benutzen kann.

Außerdem hatte ich noch viele Geschenke und Briefe von Paten, die sich im letzten Jahr entschieden haben, sich speziell um ein Kind zu kümmern, mit. Die Verteilung übernahm Zodwa, da gerade Ferien waren und ich nicht in jede Familie, so es denn überhaupt eine gibt, gehen wollte. Hauptsächlich gab es für die Kinder gefüllte Stifteboxen, Spiele und Kleidung. Auch für die drei Damen hatte ich solche Etuis besorgt. Im Laufe der nächsten Tage lernte ich das ein und andere Kind kennen, das sich persönlich bedanken wollte, und erfuhr auch so von einigen dramatischen Schicksalen. Das 10 jährige Patenkind meiner Kollegin z. B. lebt mit seiner etwas älteren Schwester und einem Onkel zusammen, der sich um die beiden kümmert, da beide Eltern verstorben sind. Nun ist auch der Onkel schwer erkrankt und liegt im Koma. Es gibt keine Hoffnung für ihn. Die beiden Kinder werden zukünftig allein zurecht kommen müssen. Bitter! Auch für das Patenkind meines Sohnes hatte ich ein Geschenk, das ich in diesem Fall persönlich überbracht habe. So sah ich, dass das kleine Mädchen zusammen mit weiteren 7 Kindern und einer Oma, die nicht mehr laufen kann, in einer elenden Hütte leben, ohne Möbel, ohne Wasser, ohne Strom. Schwer auszuhalten, so dass ich am nächsten Tag mit Zodwa noch mal einkaufen fuhr: 15 kg Mehl, 10 Kilo braunen Zucker, 10 Kilo Bohnen, drei Stangen Seife, Kerzen, Tütensuppen und auch ein paar Süßigkeiten. So hat die Gogo (Oma) wenigstens in den nächsten Wochen nicht so große Sorgen.

Inzwischen hat sich in unserer Aktivität eine gewisse Regelmäßigkeit entwickelt. Wir haben es geschafft, im letzten Jahr 16 Menschen zu gewinnen, die die Patenschaft für entsprechend viele Kinder der primary school übernommen haben und regelmäßig Geld an Voices for Africa für den Schulbesuch und Verpflegung überweisen.
Dank mehrerer Daueraufträge, die auf unserem Swazilandkonto eingehen, können wir seit Herbst 2009 zusätzlich halbjährig den Kindergartenbeitrag und das Essen für 16 Kindergartenkinder  der pre – school bezahlen.
Dazu bekommen die drei swaziländischen Kolleginnen pro Halbjahr je 50 € als Aufwandsentschädigung.
Wir können auch die enormen Portogebühren für zwei Mal im Jahr zwei 20 kg Pakete mit Kleidung und Lern – und Spielmaterialien finanzieren.

Und Dank unserer interessierten und engagierten Mitarbeiterinnen, die uns bei Festen und Verkäufen unterstützen, sind wir in der Lage, Räume zu schaffen, sie einzurichten und zu gestalten, damit sich die Kinder wohl und geborgen fühlen.

Neben den beklagenswerten Umständen, die die Menschen dort ausgesetzt sind, ist es für mich jedes Mal ein beglückendes und befriedigendes Gefühl zu sehen und zu erleben, dass wir etwas tun, dass sich unsere Arbeit lohnt, dass wir wirklich helfen können. Ich bin dankbar dafür, so viele Menschen zu kennen,  die mit Rat und Tat dazu beitragen. Ich bin froh darüber, in Zodwa eine zuverlässige Freundin gefunden zu haben, die im Land verantwortungsvoll umsetzt, was wir hier bewegen. Selbst Nkhosikathi, die Witwe des Häuptlings, war in diesem Jahr im Gegensatz zum letzten Jahr sehr zugewandt, freundlich und interessiert.

Für die nächste Zukunft haben wir uns vorgenommen, die pre – school auch materialmäßig auszustatten und werden mit verschiedenen Aktivitäten versuchen, das Geld dafür zu verdienen.

Danke Euch allen
Renate Wenghöfer